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Weiterbildung

Diabetes-Pflegefachkraft Klinik

Weltweit ist eine Zunahme der Erkrankungshäufigkeit bei Diabetes mellitus zu beobachten. Angaben der International Diabetes Federation (IDF) folgend sind derzeit 366 Millionen Menschen betroffen. Auch in Deutschland ist die Diabetesprävalenz gestiegen. Aktuell leiden 7,2% der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren an der Stoffwechselstörung. Insbesondere in der Gruppe der Menschen über 70 Jahren ist die Prävalenz in den letzten 14 Jahren signifikant gestiegen.

Diabetes Weiterbildung

Durch häufig auftretende Begleiterkrankungen und diabetische Folgeschäden ist die Lebensqualität und die Lebenserwartung der Betroffenen zum Teil erheblich reduziert. Ferner hat der Diabetes eine hohe sozialmedizinische Bedeutung, da er ein wesentlicher Faktor für eine erhöhte Inanspruchnahme von Leistungen im Gesundheitswesen ist.

Insbesondere stationäre Betreuungssysteme wie Krankenhäuser müssen sich auf die steigende Anzahl der zu versorgenden Menschen mit Diabetes einrichten. Laut statistischem Bundesamt werden jährlich ca. 215.000 Menschen mit der Hauptdiagnose Diabetes (ICD E.10 – E.14) behandelt. Eine Vielfaches davon zusätzlich mit der Nebendiagnose Diabetes mellitus. Problematisch ist, dass durch fehlende diabetologische Strukturen die Diabeteserkrankung des Patienten während eines Klinikaufenhaltes häufig nicht erkannt und somit auch nicht adäquat therapiert wird. Während in aktuellen Untersuchungen eine Diabetesprävalenz in deutschen Kliniken von ca. 30% ermittelt wurde, ist die Diagnose nur in ca. 12% der Fälle tatsächlich codiert. Dabei kann der Diabetes als Nebendiagnose den Verlauf anderer Krankheiten gravierend beeinflussen und die Liegezeit bei insuffizienter Behandlung verlängern. So ist die mittlere Krankenhausverweildauer bei Menschen mit Diabetes, im Vergleich zu Kontrollpersonen mit vergleichbaren operativen Eingriffen bzw. Erkrankungen, durchschnittlich zwei bis fünf Tage länger. Dies stellt sich insbesondere vor dem Hintergrund der seit 2004 verbindlich eingeführten Diagnosis Related Groups (DRG) als relevanter Faktor dar, weil die Vergütungen für Leistungen der Kliniken an die Verweildauer der Patienten gekoppelt sind. Ferner ist zu bedenken, dass nicht nur bei Patienten mit Diabetes, sondern ebenfalls bei Patienten ohne Diabetes, unter Stressbedingungen, Infektionen oder veränderter Nahrungs- und Medikamentenzufuhr in der Klinik die Blutglukose deutlich, bis hin zur Entgleisung, steigen kann.

Die diabetologische und pflegerische Betreuung oft multimorbider Diabetes-Patienten ist eine komplexe Aufgabe. Es gilt zusätzlich zu den Besonderheiten der Diabetestherapie, die diversen Komorbiditäten, die Ernährungssituation und evtl. Einschränkungen durch Pflegebedürftigkeit zu berücksichtigen.

In der Therapie des Diabetes fehlt es in vielen Einrichtungen häufig an einer allgemeingültigen Strategie zur Umsetzung der leitliniengerechten Betreuung und an speziell fortgebildeten Pflegeexperten. Für viele Krankheitsbilder wurden bereits spezifisch auf das Pflegepersonal zugeschnittene Weiterbildungen konzipiert und implementiert. Während z.B. an Brustkrebs erkrankte Patientinnen in entsprechenden Zentren von spezialisierten „Breast Nurses“ betreut werden und zur Schmerzbehandlung Mitarbeiter/innen zu „Pain Nurses“ ausgebildet wurden, fehlt eine solche Fortbildungsmaßnahme für den Bereich der Pflege von Menschen mit Diabetes bislang. Von der Deutschen Diabetesgesellschaft wird eine Weiterbildung zum/zur Diabetesassistent/tin DDG bzw. Diabetersberater/in DDG angeboten. Laut der Weiterbildungsordnung sollen Diabetesberater/innen befähigt werden “an Diabetes mellitus erkrankte Menschen ……. beraten, schulen und sie und ihre Bezugspersonen angemessen begleiten“. Die bestehenden diabetologischen Weiterbildungsmaßnahmen für Pflegepersonal sind also in erster Linie auf die Schulung und Beratung von Menschen mit Diabetes ausgerichtet, nicht aber auf deren Pflege im stationären Bereich.

Um diese Lücke in der Fortbildungslandschaft zu schließen und einen Beitrag zur Verbesserung der diabetologischen Versorgungssituation in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu leisten, wurde das Weiterbildungsangebot zur Diabetes-Pflegefachkraft Klinik DDG für Pflegekräfte entwickelt.

Die Weiterbildung wird vom Institut für Forschung und Weiterbildung in der Diabetologie (RED-Institut) angeboten und vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) gefördert. Ferner wird die Fortbildung in Kooperation mit der Fachhochschule Rheine und der Deutsche Diabetesgesellschaft (DDG) ständig weiterentwickelt.